CMS vs. Eigenentwicklung

Standard-Einheitsbrei vs Individualität und Flexibilität? Das war meine skeptische Vorstellung, bevor ich anfing, mich mit TYPO3 näher zu beschäftigen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Ich habe zuerst HTML und CSS gelernt, dann PHP. Erst nachdem ich einige Webanwendungen mit PHP inkl. Administrationsbereich (Backend) mit Benutzerverwaltung, flexiblem Menü, Eingabemöglichkeit für Inhalte mit Hilfe von BBCode, der dann umgewandelt wird, etc. in Handarbeit erstellt habe, begann ich, mich mit TYPO3 zu beschäftigen. Dabei schlug meine anfängliche Skepsis recht schnell in Begeisterung um.

CMS-Einheitsbrei?

Es ist zugegebenermaßen häufig so, dass mit CMS erstellte Webseiten irgendwie gleich aussehen. Vielleicht liegt das daran, dass sehr viele Menschen Dasselbe mögen, daher dieselben beliebtesten Templates und Standardfunktionalitäten eines CMS verwenden und nur farblich und bezüglich Schriftarten und -Größe leicht abändern.

Unabhängig von CMS haben sich für Webseiten auch bestimmte Gestaltungsmerkmale durchgesetzt, vermutlich weil sie eben auch am meisten Sinn machen und für den Endanwender am besten durchschaubar und bedienbar sind.

Positive Erfahrungen

Ich bin an TYPO3 mit einem schon fertig in HTML implementierten Layout heran gegangen. Es ging um eine kleine Webseite, die ich zunächst selbst in PHP schreiben wollte, mir dann aber dachte, ich probier das mal mit einem CMS. TYPO3 war halt das Erste, was mir namentlich einfiel.

Zu meiner Freude konnte ich das Ganze recht einfach und ohne Einbußen in TYPO3 umsetzen und hatte dazu gleich ein Backend mit vielen Funktionalitäten zur Verfügung ohne auch nur eine einzige Zeile PHP selbst schreiben zu müssen. Verdammt, das Ding konnte ja Alles, was ich brauchte. Ich war wirklich positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hatte.

Im späteren Verlauf fielen mir zwischenzeitlich immer wieder Dinge ein, von denen ich dachte, da müsse ich jetzt selbst ran, das kann mir kein CMS abnehmen. Natürlich schaute ich vorher nochmal in die Extensions-Datenbank auf www.typo3.org.

Und wieder zu meiner eigenen Überraschung ist mir bisher noch keine Anforderung begegnet, für die es nicht schon Funktionalität gibt. Ich überlege gerade ...

Doch, Eine gibt es: Eine Erweiterung, die es Frontend-Usern ermöglicht, ihren eigenen, kompletten Shop innerhalb eines Systems inkl. Bezahlsystem und allem, was zu einem Shop eben dazu gehört über eine Frontend-Anwendung anzulegen und einzurichten, gibt es bisher soweit ich sehen konnte, noch nicht. Aber immerhin Eine, die das fast kann (ohne Warenkorb und Bezahlsystem).

Vorteile CMS ggü. Eigenentwicklung

Ansonsten kann ich zumindest was TYPO3 angeht nur Vorteile ggü. Eigenentwicklung feststellen. Ich weiß nicht, wie lange ein Entwickler braucht, um allein eine solche Benutzerverwaltung oder einen solchen Rich-Text-Editor zu erstellen, mal von den anderen Möglichkeiten die allein das Backend bietet, abgesehen. Inkl. Erweiterungen und Frontend gibt es eigentlich kaum etwas, dass es nicht gibt. Vieles ist sehr ausgereift und man hat es wirklich mit "Best Practices" zu tun. Und selbst wenn man noch ein wenig konfigurieren und ändern muss (oder kann oder sogar möchte) und nicht immer alle Funktionalitäten des Systems oder einer Erweiterung benötigt, ist die Zeitersparnis gegenüber der Handarbeit enorm.

Wenn es mal Etwas braucht, das es noch nicht gibt: Man kann das System an diesen Stellen ja durchaus ergänzen und erweitern. Oder ändern.

Besseres PHP?

Ohne PHP-Kenntnisse kommt man so oder so nicht aus. Ab und an wird auch innerhalb von PHP-Dateien konfiguriert. Es besteht also keine "Verlern-Gefahr", eher im Gegenteil. Ich kann noch eine Menge dazu lernen, wenn ich mir die PHP-Dateien des Systems oder von Erweiterungen zu Gemüte führe. Es ist sehr deutlich, dass da Profis am Werk waren und nicht Hinz und Kunz. Das Ganze ist modular aufgebaut und meist sehr sauber objektorientiert umgesetzt. Via Eigenentwicklung könnte es schwierig werden, hier dieselbe Qualität zu erreichen. Wieviele Programmierer mag es geben, die sich die Mühe machen würden, derart sauber zu programmieren, wenn es doch nur für eine einzige Anwendung, jedoch nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist? Hier gilt doch meist: "Hauptsache, es funktioniert."

Fazit

Man hat auch mit einem CMS ein sehr hohes Maß an Individualität und Flexibilität gegeben. Es ist nahezu identisch mit dem, welches man mit Eigenentwicklung erreicht, zumindest was Optik und Funktionalität angeht. Individualität bezüglich eines eigens handgetippten PHP-Codes lohnt sich m.E. im Falle einer Webseite nicht wirklich. Es sieht ja eh keiner ;-)

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